Mantrailer im Bayrischem Wald Teil 3

Der dritte und letzte Tag unseres Seminars in Frauenau stand unter dem Motto „Vertraue Deinem Hund“. Von unseren beiden Trainern waren im Bereich des Langlaufzentrums oberhalb von Frauenau vier verschiedene, kürzere Übungseinheiten zu ganz speziellen Themen vorbereitet worden, die auf zwei Stationen verteilt waren. Die Hundeführer waren nicht eingeweiht in die Hintergründe der Aufgabenstellung, um den Lerneffekt zu maximieren. An der einen Station (betreut von Hansi) wurde der Hund von einer auf dem Weg weglaufenden und ihn rufenden Person gelockt und angereizt. Er sollte sich trotz der optischen und akustischen Ablenkung auf den Geruchsträger (von einer dem Hundeführer wohlweislich nicht beschriebenen Person) und die Ausarbeitung des Trails konzentrieren, welcher nämlich zu einer zweiten, mit einer Decke getarnten Person die Böschung neben dem Weg hinauf führte. Von dieser Person aus sollte der Hund mit einem zweiten Geruchsträger die zuvor weggelaufene Person suchen, die sich ein Stück weiter auf der anderen Seite des Weges in hohen Farnbüschen oder unterhalb einer kleinen Kuppe mitten in der Wiese versteckte. An der anderen Station (betreut von Lothar) wurde dem Hund ein Geruchsträger präsentiert, der (angeblich) den Geruch einer Hotelangestellten trug, die sich als Versteckperson zur Verfügung gestellt hatte. Wie später aufgeklärt wurde, handelte es sich um einen sterilen Tupfer ohne Personengeruch. Manche Hunde zeigten sich (im Nachhinein betrachtet) schon beim Anriechen eher desinteressiert, andere suchten in weiten Pendelbewegungen nach einer Spur und konnten sich (wiederum im Nachhinein betrachtet) verständlicherweise für keine Richtung entscheiden.

Nach einiger Zeit kam von Lothar der Hinweis, den Hund zu loben, sobald er innehielt, sich umdrehte, Kontakt zum Hundeführer aufnahm oder sonst wie seine ziellose Suche unterbrach. Im Anschluss gab es nach diesem Negativ-Ansatz (der für die meisten Hunde ihr allererster war) zur Bestätigung noch einen kleinen Positiv-Trail, der unbeabsichtigt durch einen Waldarbeiter als Ablenkung im Gelände bereichert wurde. An beiden Stationen hatten wohl alle Hundeführer einige Aha-Effekte, lernten sehr viel über das Verhalten ihres Hundes in schwierigen Situationen und können ihn hoffentlich das nächste mal besser lesen. Die hohe Reizlage am Ansatz machte deutlich, wie unterschiedlich die Hunde darauf reagierten und daß auf jeden Fall Übungsbedarf besteht. Je jünger, lebhafter, durch „fremde“ Menschen ansprechbarer der Hund, desto stärker war der Effekt. Die älteren, ruhigeren, „fremdelnden“, konzentrierter arbeitenden Hunde waren natürlich weniger beeindruckt. Die Analyse des beobachteten Hunde-Verhaltens beim Negativ-Ansatz führte zum Überdenken des eigenen Verhaltens beim Ansatz generell.

Er sollte langsamer und bedachter erfolgen, übertriebenes Losstürmen sollte gebremst werden, um eine Unterscheidung zu einem Negativ-Ansatz zu erleichtern, bzw. überhaupt zu ermöglichen. Auf jeden Fall waren die Menschen nach den drei Seminartagen um viele Erfahrungen und Ideen reicher, die wohl noch lange nachwirken werden. Die Hunde waren angenehm ausgelastet und müde und konnten sicherlich lernen, welches Verhalten in den erlebten, neuen Situationen das erwünschte ist, das zur begehrten Bestätigung führt.