Vermisstensuche in Montenegro

Am Montag den 20. März 2017 wurde angefragt, ob die Mantrailer Filderstadt für einen Sucheinsatz in Montenegro zur Verfügung stehen würden. Von einem in Stuttgart wohnender Montenegriner, der zufällig unserem Helfer, als äußerst aufrichtige und korrekte Person bekannt war, war eine Angehörige in der Nähe der Hauptstadt Podgorica vermisst. Da deutsche Polizeihunde im Ausland nicht eingesetzt werden dürfen und Mantrailing in Montenegro nicht bekannt ist, verwies die Vermisstenstelle Stuttgart auf uns. Leider konnten wir aus organisatorischen Gründen nur ein Mantrailerteam zur Verfügung stellen, doch dieses zusammen mit einem Helfer und unserem Cheftrainer machten sich am Dienstagmorgen sofort auf die 16 stündige abenteuerliche Fahrt, über die dinarischen Alpen, auf nach Montenegro. Unsere Suchhündin Bijou steckte die Fahrt mit links weg, obwohl es vor allem im bosnischen Inland achterbahnähnlich und holprig voran ging. Bürokratische Hindernisse mussten zum Teil an den Zollstationen Kroatien/Bosnien und Bosnien/Montenegro bei der Hin- und später auch bei der Rückfahrt mit kleinen finanziellen Zuwendungen an die Kontrollorgane gelöst werden.
Als wir um 5Uhr morgens am Zielort angelangten, wurden wir äußerst dankbar empfangen. Nach nur knappen drei Stunden Schlaf suchten wir die Anschrift der verzweifelten Familie auf. Hier angekommen machten wir uns erst einmal auf die Suche nach einem brauchbaren Geruchsträger. Dies gestaltete sich anfangs als ziemlich schwierig, da die Familienangehörigen das Haus nach Hinweisen durchsuchend, bereits auf den Kopf gestellt hatten. Schlussendlich wurden wir im Bad fündig, dort konnten wir im Kulturbeutel der Vermissten nichtkontaminierte Geruchsträger sicherstellen. Nach einer Befragung wurde bekannt, dass es vor 10 Jahren bereits eine psychische Störung gab, aber derzeit keine konkreten Hinweise darüber vorlagen. Weiter wurde bekannt, dass die Frau bereits am Samstagvormittag offensichtlich einen Einkauf vortäuschte, sich aber von einem Taxi an den 35 minütig entfernten Skutarisee fahren ließ. Dort verlor sich ihre Spur.
Mit Bijou, einer mehrköpfigen familiären Suchmannschaft und dem Taxifahrer machten wir uns auf zum letzten bekannten Aufenthaltsort der Vermissten. Hierbei handelte es sich um eine Haltestelle, die sich außerhalb von Vispazar befand. Die Haltestelle grenzte an einen Schotterparkplatz, mit einem geschlossenen Ausflugslokal, weiterführend von der Haltestelle befanden sich eine zirka 4m hohe Brücke und darunter ein Zufluss zum Skutarisee. Unmittelbar nach der Brücke ging es nach links, über Bahngleise in die Ortschaft. Die Straße selbst war eine schmale Verbindungsstrecke zur mehrere Kilometer entfernten Adria. Bekannt war, dass die Vermisste bevor sie ihr Handy abschaltete, noch zwei Abschieds-SMS an ihre Kinder versandte.
Aus Bijous Sucharbeit konnte man folgenden Schluss ziehen: Die Vermisste begab sich offensichtlich zu dem Ausflugslokal und setzte sich dort an den ersten Gartentisch und schrieb hier vermutlich die letzten SMS. Danach ging sie sich auf die Brücke, hier wurde ein Geruchspool festgellt, der darauf schließen ließ, dass sie auf der rechten Seite der Brückenmitte einige Zeit verweilte. Es konnte jedoch ausgeschlossen werden, dass sie sich von hier über das Brückegeländer in den Fluss stürzte. Da die Spur dennoch nicht weiter ging, muss sie auf der Brücke in ein Fahrzeug eingestiegen sein.
Im weiteren Verlauf wurden noch die Uferränder des Zuflusses, der Bahnhof und der Ortskern auf Geruchsspuren überprüft, hier zeigte Bijou überall ein Negativ an. Da es keine weiteren Anhaltspunkte gab, entschloss man sich am Spätnachmittag wieder zur Heimreise. Die Familie fasste nach unseren Suchergebnissen neuen Mut, da die Suche den Rückschluss zuließ, dass die Frau lebte. Die Familie zeigte sich uns gegenüber als äußerst dankbar.

 

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