Seminar im Westerwald vom 29.5.16

Beim Seminar, das bereits seit einigen Jahren jährlich stattfindet, geleitet von unserem Westerwald-Schwaben Lothar Barthel und fleißig unterstützt von unseren Trainern aus Filderstadt und der Malteser Rettungsstaffel Steinfurt wurde Welschneudorf auch dieses Jahr wieder von 15 eifrigen Mantrailern und Helfern vom 25.5 bis 29.5 belagert.
Zehn Mensch-Hund-Gespanne aus Filderstadt, Emsdetten und der Schweiz, wollten sich im Seminar in den Themen
Geruchsverteilung und Thermik
sowie
Einsatztaktik im Malteser Hilfsdienst anhand eines 24h-Trails über Stock und Stein,“

weiterbilden.
Unterstütz wurden die Trailer von engagierten Helfern, denen kein Weg zu lang und kein Versteck zu ungemütlich war.
Als Seminarneuling wusste ich nicht, was mein Hund und mich erwarten würde. Nach einer staureichen Anfahrt stand der Mittwochabend im Zeichen des gegenseitigen Beschnupperns. Richtig los ging es dann am Donnerstagmorgen, als wir uns nach Montabaur aufmachten. Eine Stadt mit vielen Steigungen und engen, winkeligen Gassen, die man auf den ersten Blick nicht einmal als solche erkennt. Das erste was wir lernten:

Steht in einer Hofeinfahrt eine Straßenlaterne, sollte man diese lieber noch einmal genauer checken,
es könnte sich dahinter eine weitere Gasse verstecken.

Das Wechselspiel der Geruchsverteilung und Thermik konnte sich in den vielen engen Gassen wunderbar praktisch erarbeiten lassen. Das sommerliche Wetter und die Besuchermassen, die der feiertäglichen Prozession folgten, taten ihr Übriges.

Lothar hatte einen Trail ausgeklügelt, der uns gleich am Anfang höchste Konzentration abverlangte. Der Startpunkt bildete eine Tiefgarage, aus deren kühler Luft die Hunde umgehend auf bereits heiße, offene, windige Plätze gelangen. Für den Hund und seinen Führer kam hier bereits die erste Schwierigkeit, nämlich der Spur weiter zu folgen. An schattigen und kühlen Orten, wie der Tiefgarage, fällte es dem Hund leichter der Spur zu folgen, da die Geruchsparikel bodennah verharren. Auf warmen Plätzen steigen die Partikel in die Höhe und werden vom Wind verschleppt. Dennoch schaffte es ein jedes Team, der Spur des Opfers zu folgen und die warmen Plätze nach oben in Richtung Innenstadt zu verlassen. Hier führte die Spur durch labyrinthartige, im Halbschatten liegende Gässchen, durch die der Wind pfiff. Doch am Ende konnte jedes Team den Trail mit den Worten „Wir haben gefunden“ beenden.

Auch der zweite Trail am Nachmittag gestaltete sich ähnlich aufregend. Gestartet wurde in der Innenstadt und der Weg führte hinauf zum Schloss in ein offenes, windiges Parkhaus. Der Geruch des Opfers drang durch alle Ritzen und verteilte sich auf alle Parkebenen, sodass das komplette Parkhaus abgesucht werden musste. Während die Teams zu diesem Zeitpunkt ihrer Arbeit nachgingen, legte Lothar mit seinen Helfern den ersten 24h-Trail für den folgenden Freitag.

Am Freitag teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe erarbeitete auf dem 24h- Trail die „Einsatztaktik des Malteser Hilfsdienstes“ und kam als Gruppe ans Ziel. Mein Hund und ich arbeiteten mit Hilfe unserer Trainerinnen Rita und Jutta noch einmal besonders Kreuzungen aus und übten die „Opferdifferenzierung unter Ablenkung“. Hierbei gaben unsere Helfer wirklich alles. Schauspielreif versuchten sie auf die arbeitenden Hunde und ihre Führer einzuwirken und diese von ihrem Ziel fernzuhalten. Doch so sehr sie sich bemühten und den Hunden ein freudiges Schwanzwedeln entlockten, am Ende trailte ein jedes Team sich bis zu seinem Opfer durch.

Nach einer erholsamen Pause im Schatten eines großen Baumes wurde ein weiterer kurzer aber knackiger Trail gelegt. Unsere Versteckperson verschwand und versteckte sich auf einem Hochsitz auf einem Kinderspielplatz. Die Schwierigkeit bestand hierbei, dass der Geruch des Opfers plötzlich von oben auf den Boden herabfiel, aber das Opfer selbst dort nicht zu finden war. Auch hier zeigten die Hunde teilweise mit atemberaubender Geschwindigkeit, dass sie sich nicht in die Irre führen ließen. Hundchen Oskar musste von seinem Herrchen sogar von der Leiter gepflückt werden, da er flink und wendig die Sprossen bis zur Hälfte erklommen hatte.

Den grandiosen Schluss an diesem Tag bildete jedoch die letzte Übung. Noch einmal sollte der Hund differenzieren, doch dieses Mal standen oder lagen die Opfer nicht auf dem Boden, sondern sie krabbelten auf einer Wiese im Kreis herum. Für jeden Außenstehenden war dieses Karussell zum Schmunzeln, doch es stellte die meisten Teams auf eine schwere Probe. Die Hunde schienen die Menschen in dieser Position erst einmal nicht zu erkennen, während sich der Geruch der gesuchten Person verteilte. Doch auch diese Übung endete für jeden erfolgreich.

Am Samstag durften nun auch wir den 24h-Trail erarbeiten, der sich am Ende als eine Gesamtstrecke von 6,6km über Stock und Stein erstreckte. Ausgesetzt in einem Waldstück gingen wir 5 Hundeführer mit unseren Hunden als Gruppe auf die Suche nach unseren zwei Opfern Jule und Karin. Unsere Trainerin Rita wurde hierbei ins kalte Wasser geworfen und übernahm die Einsatzführung, etwas gänzlich Neues, das sie allerdings mit Bravour meisterte. Unterstützt wurden wir von den zwei Tatkräftigen Helfern Jörg und Didi, die den Hundeführern beistanden, die Zeit stoppten und sich um alles kümmerten, was sonst noch anfiel. Lothar begleitete uns ebenfalls und stand uns, immer eine Antwort parat, zur Seite. Spätestens alle 20 Minuten wurden Hund und Führer gewechselt, niemals direkt an einer Kreuzung. Alle 45min legten wir gemeinsam eine Pause ein um Mensch und Hund zu schonen. Denn obwohl immer nur einer der Hunde aktiv suchte, bestand kein Zweifel daran, dass die anderen ebenfalls den Gerüchen folgten. Unser Weg führte uns durch den Wald, an Weiden vorbei, durch ein kleines Dorf und erneut durch den Wald, bis in ein weiteres kleines aber feines Dörflein. Teilweise wateten wir durch knöcheltiefen Matsch, bahnten uns unseren Weg durch Gestrüpp und kämpften uns rutschige Wege hinab. An einer Stelle bewiesen wir tolle Teamarbeit. Der Weg im Wald war derart steil und rutschig, dass es uns vermutlich zerlegt hätte, wären wir gemeinsam mit unseren Hunden dort hinab. Doch auch hier standen uns unsere Helfer zu Verfügung, hielten die Hunde bis wir unten waren und schickten sie zu uns zurück. Wir kamen schnell voran, nach 1Stund 24min aktiver Suchzeit konnten wir gemeinsam melden: „Wir haben im Biergarten gefunden!“ Erschöpft und von Stolz erfüllt ließen wir uns mit einem kühlen Getränk nieder und reflektierten sofort den Trail.

Am Sonntagmorgen endeten diese spannenden Tage mit einer tollen Urkunde, erstellt von unserem Organisationstalent und Listenführer Hansi. Die Zeit verging wie im Flug, war erfüllt von allerhand Lehrreichem, aber auch von Spaß, lustigen gemeinsamen Abenden und gutem Essen. Der Wettergott war uns all die Tage gnädig gewesen, die Menschen im Westerwald stets freundlich und hilfsbereit. Das Seminar war ein voller Erfolg und so habe ich dazu nur noch drei Worte zu sagen: Nächstes Jahr wieder!

 

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